
„Die Wege der Weisheit führen durch die Wüste.“
(Sprichwort der Tuareg)
1. Erzählungen
Lebenslang – Und darüber hinaus
Erzählungen von Vätern und Söhnen

Gemälde von El Guggisberg
Männer zetteln Kriege an und nehmen an Friedensdemos teil, zerstören Wälder und Naturschutzgebiete und verschenken Rosen. Sie jagen dem Glück hinterher und hecheln haarscharf daran vorbei. Immer als Söhne von Vätern, oft als Väter von Söhnen. Warum handelt mein Sohn so völlig anders als ich es mir vorstelle? Warum ist mein Vater so stur?
Freundschaft und Liebe. Wut und Verzweiflung. Versöhnung und Frieden. Beschäftigen uns diese Themen und die darin eingeflochtenen menschlichen Gefühle, Werte und Beziehungsmuster nicht alle? Die Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem vollen Leben, von der Kindheit bis zum hohen Alter, sogar über den Tod hinaus, und wieder zurück ins Leben.
In den fünfzehn Erzählungen reiben sich Väter und Söhne aneinander, leiden darunter und verzweifeln. Immer wieder. Lebenslang. Sie fühlen sich in diesen Geschichten auch tief verbunden, weil sie gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen teilen. Lebenslang.
Berührende, skurrile, schockierende und ernste Erzählungen, miteinander verknüpft, in verschiedenen Kulturen angesiedelt .
Textprobe
„Gletscherleichen aus der Steinzeit im 21. Jahrhundert. Die ganze Welt blickt auf uns!“
Hanna, die Pathologin, streckte die Tageszeitung in die Höhe und lachte die Teammitglieder an. „Wir sind auf der ersten Seite. Wir haben es geschafft. Seht ihr?“
Sie gab die Zeitung in die Runde und fuhr sich mit der Hand durch die silbergrauen Haare.
„Die archäologische Sensation“, fuhr Max, der älteste Kollege im Team, mit sich überschlagender Stimme fort.
Seit über zwanzig Jahren hatten sie in allen Landesteilen Ausgrabungen durchgeführt. Die Schweiz umgepflügt. Der Vergangenheit nachgespürt. Mit mäßigem Erfolg. Und jetzt das! Begeistert schauten sich die fünf an. Ihre Augen glühten. John, der Forensiker, trommelte auf die Tischplatte, Chantal warf ihre schwarzen langen Haare wie ein Zirkuspferd über die Schulter und fuhr mit der Zunge über ihre schneeweißen Zähne.
„Andreas, was sagst du dazu?“
Er musste mit seinen wirren Haaren und dem zerknitterten Gesicht einen jämmerlichen Anblick bieten. Was sollte er dazu sagen? Natürlich freute es ihn. Mit Sicherheit war dieser Fund die Krönung seiner langjährigen Karriere als Archäologe. Nach dem Fund des Ötzi Jahrzehnte zuvor eine bahnbrechende Sensation vergleichbaren Ausmaßes. Und das im Oberwallis. Ein Lächeln spielte um seine Lippen. „Die Rackerei hat sich gelohnt.“
Der Gedanke an Koni zerbröckelte sein Lächeln in Sekundenschnelle. Blutsverwandtschaft ist Fluch und Segen.
Schwerfällig erhob er sich, schlurfte zur Kaffeemaschine und braute sich unter den kritischen Blicken seines Teams einen doppelten Espresso, während er zwei Alka Seltzer einwarf und mit Wasser nachspülte. Er ließ sich auf seinen Bürosessel fallen und versuchte, die pochenden Kopfschmerzen mit Entspannungs- und Atemübungen in den Griff zu bekommen. Verdammt. Was für eine Nacht!
„Du siehst aus wie nach einem Seesturm. Was ist los mit dir? Jetzt? Auf dem absoluten Höhepunkt deiner Karriere?“ Hanna hatte die lähmende Stille durchbrochen.
„Das Schicksal“, murmelte er.
„Meinst du damit Frauen? Oder deinen Sohn?“
„Meinen Sohn.“
„Aha.“
Andreas stellte fest, dass das ganze Team ihn mit sorgenvollen Blicken musterte.
„Du siehst wirklich ziemlich mies aus. Bedeutend schlechter als unsere lieben Gletscherfreunde …“ Max zwinkerte ihm aufmunternd zu. „Können wir dir behilflich sein?“
„Ich hatte wieder einmal eine lange Nacht wegen Koni –“
„Die Journalisten lassen sich nicht abwimmeln, Andreas“, unterbrach ihn Chantal mit schriller Stimme. „Sie wollen eine Erklärung von dir, dem berühmten Professor Doktor Andreas Kirschbaum. Das ist ein historischer Augenblick, ein Fenster, das sich mit unseren Gletscherleichen öffnet – und die Menschheit hat ein Anrecht darauf, einen kurzen Blick in die ferne Vergangenheit, zu den Ursprüngen unseres Lebens zu werfen. Das müssen wir jetzt ausschlachten. Da kannst du nicht einfach den Schwanz einziehen.“
„Tu ich auch nicht“, antwortete er und beobachtete, wie alle nickten. Natürlich hatte sie recht. Denn unweigerlich würden sie sich nach den Facts und den im Moment noch dürren archäologischen Erkenntnissen wie Geier auf ihn als Grabungsleiter stürzen. Nur schon beim Gedanken daran packte ihn das nackte Grauen.
Nein, auf keinen Fall. Er musste Koni unbedingt schützen. Um jeden Preis.

2. Roman-Manuskript 2023
Wir träumen. Und wir leben. noch.

Der Roman „Wir träumen. Und wir leben. Noch“ erzählt von drei Familiengenerationen, die aus ihrem gesellschaftlichen Kontext heraus ihren Träumen und Visionen nachgehen und sie leben wollen.
Sie scheitern. Immer wieder. Ihre Träume zerbrechen an Eifersucht, Hass, Rachegefühlen, Gier und Profitdenken. Sexuelle Gewalt, Beziehungsabbrüche, Verleumdungen, Drohungen, Entführungen und Ausbeutung von Menschen und Natur sind Folgen davon.
Hoffnung wächst und verpufft. Die Träume bleiben.
Teil I erzählt von den Visionen der 1. und 2. Generation in den Fünfziger- bis Siebzigerjahren.
Trotz ihres Traums einer egalitären, basisdemokratischen Gesellschaft mit freier Liebe und Gerechtigkeit bleiben sie ohnmächtig in ihren eigenen „Kalten Kriegsmustern“ verhangen.
Die nächste junge Generation beobachtet das, zieht ihre Schlüsse aus den gescheiterten Träumen ihrer Eltern und versucht, ihre eigenen Träume und Visionen in ihrem veränderten gesellschaftlichen Kontext umzusetzen. «Wir träumen anders!» ist ihr gemeinsames Motto. „Wir träumen von globalem
Frieden, Nachhaltigkeit und Entwicklung aller.“ Kann das gelingen? Wohin führt die Reise?
Der Roman erstreckt sich über drei Generationen, zehn Jahrzehnte und endet in der Zukunft, im Jahr 2075.
«Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. Und neues Leben blüht aus den Ruinen.»
Friedrich Schiller

3. Burgdorfer Biografisches Institut
Wir sammeln Geschichten. Wir gehen biografischen Fragen nach. Wir bringen das Leben zum Klingen.
Das Burgdorfer Biografische Institut (BBI) ist ein Verein von Autorinnen und Autoren, die sich seit 2018 mit dem biografischen Schreiben und Erzählen befassen.
Unsere Projekte:
gESCHICHTEN VOM Kommen und Gehen 2020




badigeschichten 2019
Wir Geschichtensammlerinnen und Geschichtensammler des Burgdorfer Biografischen Instituts haben uns bei Saisonbeginn aufgemacht, um diesen Ort zu erkunden.
Die Stimmung im Bad war magisch. Wenige Schwimmer zogen ihre Runden, die erste Gäste waren da und nahmen sich Zeit, ihre Geschichten zu erzählen. Sie handeln von der grossen Liebe und kühnen Abenteuern, von Freundschaften und Ritualen, von Haarcodes und Schwimmmeisterschafte, von der Poesie des Bades und den Schrecken des Schwimmunterrichts.
Ivo Knill


erbgeSCHICHTEN 2019



